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Kroatien

Kroatien

Kroatien (kroat. Hrvatska) ist eine Republik in Südosteuropa, die teilweise auch zu Mitteleuropa gezählt wird. Der Staat am Adriatischen Meer grenzt zu Lande an Slowenien, Ungarn, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro.

Kroatien gehört mit ca. 4,5 Millionen Einwohnern und einer Fläche von nahezu 57.000 km² zu den kleineren Staaten Europas. Das politische System ist teilweise zentralistisch und als Parlamentarische Demokratie organisiert: Es gibt 21 Regionalverwaltungen (Gespanschaften) mit relativ geringen Kompetenzen. Die Hauptstadt Zagreb mit ca. 1 Million Einwohnern ist Regierungssitz, Verkehrsknotenpunkt, sowie wirtschaftliches und akademisches Zentrum des Landes.

Die Republik Kroatien ist unter anderem Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) und des Zentraleuropäischen Freihandelsabkommens (CEFTA). Der Staat strebt einen Beitritt zur Europäischen Union und der NATO an. Seit 2005 hat Kroatien den Kandidatenstatus zur Europäischen Union.

Geographie und Geologie
Lage
Kroatien befindet sich im Nordwesten der Balkanhalbinsel zwischen Südost- und Ostmitteleuropa. Kroatien kann je nach Sichtweise sowohl Ostmitteleuropa als auch Südosteuropa zugeordnet werden. Historisch gesehen kann man die Gebiete nördlich bzw. links der Save zu Ostmitteleuropa zählen, die kroatische Küstenregion wird meist zu Südosteuropa gezählt. Die geographische oder tektonische Einteilung Europas schlägt die Gebiete südlich des Alpenhauptkammes und der Karpaten zu Südeuropa und Südosteuropa.

Grenzen
Das kroatische Staatsgebiet umfasst 87.609 km², wovon 56.542 km² auf Land- und 31.067 km² auf Seeterritorium entfallen. Aufgrund der aus historischen Gründen entstandenen territorialen Lage von Bosnien und Herzegowina wird das Staatsgebiet Kroatiens auf einen kontinentalen Nordteil und einen langen Küstenstreifen eingeengt, die nur im Nordwesten miteinander verbunden sind. Der südlichste Teil des Küstengebietes (die Region um Dubrovnik bis zur Grenze zu Montenegro) wird auf einer Länge von etwa 3 km durch die zu Bosnien und Herzegowina gehörende Gemeinde Neum vom übrigen Kroatien getrennt.

Die Gesamtlänge der Landgrenzen Kroatiens beträgt 2.197 km. Davon entfallen auf die Grenze zu Slowenien 670 km, auf die Grenze zu Ungarn 329 km, auf die Grenze zu Bosnien und Herzegowina 932 km, auf die Grenze zu Serbien 241 km und auf die Grenze zu Montenegro 25 km. In der Nordadria berühren sich die kroatischen und italienischen Hoheitsgewässer, was zur Folge hat, dass Slowenien einen sehr kleinen Zugang zu internationalen Gewässern hat (siehe: Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens). Die Länge der adriatischen Küstenlinie beträgt 1.777 km (mit Inseln 5.835 km).

Inseln
Die größten Inseln sind:

1. Krk 409,90 km²
2. Cres 405,78 km²
3. Brač 394,57 km²
4. Hvar 299,66 km²
5. Pag 284,56 km²
6. Korčula 276,03 km²

Zu Kroatien gehören insgesamt 1.185 Inseln, von denen 47 bewohnt sind.

Berge
Die höchsten Berge sind:

1. Dinara 1.830 m
2. Kamešnica 1.810 m
3. Sveti Jure (St. Georg) 1.762 m im Biokovo-Massiv
4. Vaganski vrh 1.757 m im Velebit-Gebirge
5. Plešivica 1.657 m bei Ozeblin

Gewässer
Der kroatische Anteil an der Donau ist 188 km lang, zudem grenzt Kroatien fast nur an die rechte Donauseite. Die Donau trennt Kroatien von der serbischen Provinz Vojvodina.

Die längsten Flüsse, die durch Kroatien fließen, sind die Save (kroat. Sava, 562 km) sowie die Drau (kroat. Drava, 505 km). Diese Flüsse bilden die große Teile der Grenzen zu Bosnien-Herzegowina bzw. zu Ungarn. Beide Flüsse fließen zur Donau ab, dabei ist die Sava ist der wasserreichste, die Drau der viertwasserreichste Nebenfluss der Donau.

Die Kulpa (kroat. Kupa, 269 km) bildet im Oberlauf einen Großteil die Grenze zu Slowenien. Sie mündet in Sisak in die Sava, die ab dort schiffbar ist. Weiter Flüsse sind die Korana, Krapina (Fluss), Lonja, Mur sowie die Vuka.

Die Flüsse aus den Dinariden zur Adria, z.B. die Cetina sind relativ kurz, einzig die in der Herzegovina entspringende Neretva stellt einen bedeutenden Fluss in die Adria dar.

Die größten Seen sind:

1. Vransko jezero 30,7 km²
2. Dubravsko jezero 17,1 km²
3. Peruča-See 13 km² am Cetina-Fluss, kroat. Peručko jezero
4. Prokljansko jezero 11,1 km²

Die berühmtesten Seen sind die Plitvicer Seen.

Landschaftszonen
Nach Reliefformen und Klimazonen lässt sich Kroatien in drei Regionen einteilen:

Die pannonische Tiefebene Die Pannonische Tiefebene, die überwiegend aus Flachland besteht, unterbrochen von einigen Mittelgebirgen, und die über die Save und Drau und deren Nebenflüsse zur Donau hin entwässert wird. In diesem Teil des Landes herrscht gemäßigtes Kontinentalklima. Diese Landschaftszone lässt sich untergliedern in Nordkroatien und Slawonien. Nordkroatien umfasst das ostmitteleuropäisch geprägte Gebiet von der Kupa bis zur ungarischen Grenze: das Flachland längs der Save und Kupa um die Städte Zagreb, Karlovac und Sisak, das heute demographisch und wirtschaftlich das Zentrum des Landes bildet, das Gebirgsland des Zagorje (auf Deutsch auch Zagorien) nördlich der Hauptstadt Zagreb und das Međimurje im nördlichsten Zipfel des Landes zwischen Drau und Mur. Slawonien ist das Flachland entlang der Flüsse Save (Sava) und Drau (Drava) bis zur Donau (Dunav) im Osten. Zu diesem werden oft auch die Baranja (nördlich des Unterlaufes der Drau) und West-Syrmien (Zapadni Srijem) (der Ostzipfel Kroatiens zwischen Donau und unterer Save) gezählt.

Die dinarische Gebirgsregion Die dinarische Gebirgsregion (auch Mittleres Kroatien oder Kroatisches Hügelland genannt), die von Mittel- und einzelnen Hochgebirgen geprägt ist, die die Wasserscheide zwischen Donau und Adria bilden, wobei einzelne Täler auch vollständig abflusslos sind. Hier herrscht Gebirgsklima. Zu dieser Landschaftszone gehören das Gebirgsland des Gorski kotar zwischen Rijeka und Karlovac, die Hochtäler Lika und Krbava zwischen dem längs der Küste laufenden Gebirgszug des Velebit und dem Grenzgebiet zu Westbosnien, sowie ein Teil des Hinterlandes Dalmatiens (Dalmatinska Zagora, Biokovo-Gebirge).

Die adriatische Küstenregion Die zu großen Teilen karstige adriatische Küstenregion, in der Mittelmeerklima herrscht und die von mediterranen kulturellen Einflüssen geprägt ist. Die Breite des mediterranen Küstenstreifens variiert stark. Während er an einigen Stellen (unterhalb des Velebit und des Biokovo) nur wenige Kilometer breit ist, reicht er an anderen Stellen weiter ins Landesinnere. Die Mehrzahl der in Kroatien in die Adria mündenden Flüsse ist jedoch relativ kurz; lediglich der Einzugsbereich der aus Bosnien und Herzegowina kommenden Neretva erstreckt sich weiter ins Landesinnere. Die adriatische Küstenregion lässt sich von Norden nach Süden untergliedern in die historischen Regionen Istrien (die Halbinsel im Nordwesten der kroatischen Küste), das Kroatische Küstenland oder Hrvatsko Primorje um Rijeka und Senj mit den Inseln der Kvarner-Bucht und Dalmatien - die zerklüftete Adria-Küste ab etwa Zadar südwärts einschließlich der vorgelagerten Inseln und des gebirgigen Hinterlandes mit schönen und historisch bedeutsamen Städten wie Dubrovnik (Ragusa) und Split. Der kroatischen Küste sind 1.185 Inseln vorgelagert, von denen allerdings nur 67 dauerhaft bewohnt sind. Zu den größten und bekanntesten zählen Krk, Cres, Rab, Pag, Brač, Hvar und Korčula (von Norden nach Süden).

Diese Einteilung spiegelt sich auch in der Kultur und Lebensweise der Menschen in diesem Lande wider. Trotz seiner relativ geringen Fläche hat Kroatien eine ausgesprochen vielfältige Landschaft und Kultur aufzuweisen.

Natur- und Nationalparks

Obwohl Kroatien im europäischen Vergleich ein flächenmäßig relativ kleines Land ist, verfügt es über acht Nationalparks und zehn geschützte Naturparks. Insgesamt stehen 450 Landstriche, davon 79 Sonderreservate (botanische, geomorphologische, ornithologische, Meeres- und Waldreservate) unter Naturschutz. Insgesamt 5.846 Quadratkilometer bzw. 10 Prozent der Festlandfläche Kroatiens sind geschützt. Bei Zuzählung der geschützten Gewässer ergeben sich 6.129 Quadratkilometer.

Geomorphologische Phänomene
"Crveno jezero" - der Rote See
Die blaue Grotte (kroatisch Modra špilja) auf der Insel Biševo in der Nähe von Vis
Der Vrana-See (Vransko Jezero) auf der Insel Cres
Die Vela Draga im Naturpark Učka
Die Bijele und Samarske stijene Naturreservat im Kapela Gebirgsmassiv
Der Rožanski kuk und Hajdučki kuk (Naturreservat) im Velebit Gebirgsmassiv
Der Drachenaugensee (Zmajevo oko) bei Rogoznica in Dalmatien

Wasserreichtum

Viele kroatische Strände erhalten jedes Jahr die Blaue Flagge, die weltweit für sauberes Wasser vergeben wirdKroatien zählt zu den 30 wasserreichsten Staaten dieser Erde. Dies wurde in einem UNESCO-Bericht über die Wasservorkommen dieser Welt festgestellt. In Europa nimmt Kroatien sogar den dritten Platz ein mit 9.500 m³ an jährlich-erneuerbaren Wasserreserven pro Person. Kroatien gehört auch zu den seltenen Staaten dieser Welt mit organisiertem Wassermanagement. Schon 1891 verabschiedete das kroatische Parlament das Wasserrechtsgesetz des Königreiches von Kroatien und Slawonien, das gesetzliche Regelungen für Gewässer, Flußbetten, die Küste, die Wassernutzung, die Regulierung von Wasserflüssen, wie auch den Flutschutz, Wasserschutz, Wasserschutzvereinigungen und vieles weiteres vorsieht.

Die kroatische Adria gehört zu den saubersten Badegewässern in Europa. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es in Kroatien bislang keine größeren Industriestandorte in Küstennähe gibt, durch die das Wasser verunreinigt werden könnte. Es besteht die Hoffnung, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, da in Kroatien großer Wert auf Natur- und Umweltschutz gelegt wird. In den letzten Jahren wurde die gute Wasserqualität regelmäßig durch Untersuchungen des deutschen Automobilclubs ADAC und anderer Organisationen bestätigt. Kroatien hat auch eine beträchtliche Zahl von Stränden, die mit der internationalen, blauen Flagge gekennzeichnet sind (94 Strände, 19 Marinas). Die blaue Flagge wird als Symbol für hohe Umweltstandards sowie gute Sanitär- und Sicherheitseinrichtungen im Hafen- und Badestellenbereich international anerkannt.

Pflanzen- und Tierwelt
Kroatien zählt zu den Ländern Europas, welche eine besonders hoch entwickelte biologische Vielfalt aufzuweisen haben, zu der auch viele endemische Arten gehören.

2004 erklärte die kroatische Regierung das gesamte kroatische Meeresgebiet zu einem ökologischen Schutzgebiet und einer kontrollierten Fischfangzone (kroat. "ekološki i ribolovni pojas"), um die vorhandene und empfindliche Meeresfauna und Vegetation zu schützen. Die Vorgehensweise wurde von Italien, Slowenien und auch der restlichen EU kritisiert, da die Fischereirechte in Europa oft ein heiß-umstrittenes Thema darstellen. Hinzu kommen Streitigkeiten über die kroatische Seegrenze zu Slowenien.

Vegetation
Insgesamt 43,5 Prozent Kroatiens (2,4 Millionen Hektar) sind von Wäldern bedeckt. Etwa 95 Prozent des Waldbestandes sind weitgehend naturbelassene Mischwälder. Etwa 81 Prozent sind Staatswälder, 19 Prozent befinden sich in privatem Besitz. 85 Prozent der Waldfläche bilden Laubwälder, 15 % entfallen auf Nadelwälder. In den Gebirgsregionen des Gorski Kotar, der Lika wachsen vorwiegend Nadelwälder, in der pannonischen Tiefebene vorwiegend Laubwälder. Entlang der kroatischen Küste wachsen vor allem mediterrane Hartlaubgehölze, Macchien, Pinien und Kiefernwälder. In den trockenen und heißen Sommermonaten kam es durch unvorsichtiges Verhalten von Einheimischen und Touristen wiederholt zu Großbränden, bei denen unter anderem Hilfe von Löschflugzeugen (Canadairs) angefordert werden musste. So hat z.B. ein Brand vor wenigen Jahren etwa ein Viertel der Insel Brač in Asche verwandelt. Die kroatische Regierung investierte daher in den vergangenen Jahren zunehmend in Brandschutzmaßnahmen.

Bevölkerung

Mädchen mit Tracht aus Konavle bei DubrovnikKroatien hat nach der Volkszählung von 2001 4.437.460 Einwohner.

Die Lebenserwartung in Kroatien beträgt etwa 75 Jahre. Seit einigen Jahren verzeichnet das Land wegen niedriger Geburtenraten eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung.

Von den Einwohnern zum Zeitpunkt der Volkszählung von 2001 besaßen 4.399.364 (99,14 %) die kroatische Staatsangehörigkeit, 44.340 (1,00 %) davon auch eine zweite Staatsangehörigkeit. 17.902 (0,40 %) besaßen eine ausländische Staatsangehörigkeit, 9.811 (0,22 %) waren Staatenlose. Von 10.383 Einwohnern (0,23 %) war die Staatsangehörigkeit unbekannt.

Nationalitäten
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung stellen mit 89,63 % die Kroaten (Hrvati).

Außerdem leben in Kroatien zahlreiche nationale Minderheiten.

Zusammensetzung der Bevölkerung nach ethnischer Herkunft laut der Volkszählung von 2001:

1. Kroaten 3.977.171 (89,63%) 7. Slowenen 13.173 (0,30%)
2. Serben 201.631 (4,54%) 8. Tschechen 10.510 (0,24%)
3. Bosniaken 20.755 (0,49%) 9. Roma 9.463 (0,21%)
4. Italiener 19.636 (0,44%) 10. Montenegriner 4.926 (0,11%)
5. Ungarn 16.595 (0,37%) 11. Slowaken 4.712 (0,11%)
6. Albaner 15.082 (0,34%) 12. Mazedonier 4.270 (0,10%)

Quelle: http://www.dzs.hr

Noch nach der Volkszählung von 1991 waren 78,1 % der Bevölkerung Kroaten, 12,2 % Serben.

1995 eroberte die kroatische Armee im Zuge der Militäroperation Oluja die von serbischen Freischärlern kontrollierten Gebiete in Westslawonien, Norddalmatien, der Lika und der Banovina. Im Zuge dessen musste der größte Teil der dortigen serbischen Einwohner aus Furcht vor Vergeltungsschlägen und staatlichen Repressalien in die so genannte Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina und teilweise auch nach Serbien und Montenegro fliehen. Im Laufe der letzten Jahre ist ein Teil der Flüchtlinge zurückgekehrt (118.000 bis Januar 2005), so dass der serbische Bevölkerungsanteil heute etwas höher als zur Zeit der Volkszählung von 2001 sein dürfte.

Den etwa 50.000 direkt am bewaffneten Aufstand (1991-1995) beteiligten Serben wurde von der kroatischen Regierung eine generelle Amnestie gewährt, sofern individuell keine direkten Kriegsverbrechen nachgewiesen werden konnten.

Die Serben leben vor allem in Ostslawonien, der Lika, der Banovina, dem Hinterland Norddalmatiens sowie in Zagreb und Rijeka. Das Hauptsiedlungsgebiet der italienischen Minderheit ist die Westküste Istriens, daneben gibt es italienische Bevölkerungsgruppen in Rijeka und Westslawonien. Ungarn und Slowaken leben vor allem im Osten, Tschechen im Westen Slawoniens. Die Bosniaken, Albaner und Mazedonier leben über das gesamte Land verstreut, vor allem in den größeren Städten.

Kroatien wurde immer wieder vorgeworfen, in nicht ausreichendem Maße zum Minderheitenschutz im Lande und für die Rückbesiedelung der serbischen Minderheit beizutragen. Insbesondere von Organisationen wie etwa dem Kroatischen Helsinki-Komitee für Menschenrechte (HHO) war stets lautstarke Kritik zu vernehmen und es wird auch weiterhin Kritik geäußert. Generell wurden von Seiten offizieller Stellen in den letzten Jahren enorme Fortschritte in den Minderheitenfragen festgestellt. Kroatien hat vielgeschätzte Fortschritte im Umgang mit der Minderheit der Roma und Sinti gemacht (insbesondere im Schulbereich und der Schaffung von Wohnräumen) und verfolgt eine aktive Kampagne in diversen Staaten Südosteuropas, um insbesondere serbische Flüchtlinge aus fremden Staaten wieder zurückzuführen. Von Seiten des kroatischen Staates und diverser europäischer Organisationen wurden großzügige Geldbeträge zum Wiederaufbau zerstörter Häuser und zur Reintegration von Flüchtlingen bereitgestellt (der Wiederaufbau der zerstörten Häuser von Kroaten wurde zur Gänze vom kroatischen Staat beglichen). Trotz vereinzelter Rückschläge betreffs der Sicherheit insbesondere der serbischen Minderheit äußern internationale Institutionen, dass sich Kroatien auf einem sehr guten Weg befindet. In der derzeitigen Zusammensetzung des kroatischen Parlaments sind 8 Abgeordnete von Seiten der Minderheiten vertreten; die derzeitige Regierung ist bei der Gesetzgebung u.a. sogar abhängig von der Unterstützung einzelner Minderheitenvertreter.

Das Simon Wiesenthal Center stufte Kroatien Mitte 2006 in die höchste Beurteilungskategorie hinsichtlich der Bemühungen zur Verfolgung von Nazi-Verbrechen und deren erfolgreicher Prozessierung ein.

Geschichte

Altertum und frühes Mittelalter
Das Gebiet des heutigen Kroatien wurde ab dem 8. Jh.v.Chr. von Illyrern besiedelt. Ab dem 7. Jh.v.Chr. wurde die Adriaküste von Griechen kolonisiert, so geht z.B. die Gründung Splits (altgr. Aspalathos oder Spalatos = „Höhle") auf diese Zeit zurück. Weitere Orte aus dieser Zeit sind Aenona (Nin), Epidaurum (Cavtat), Oppidum (Poreč), Pola (Pula) und Tragurion (Trogir) (siehe auch Liste antiker Stätten in Kroatien). Später wurde das Gebiet Teil des Römischen und ab dem 5. bis 9 Jh. n. Chr. Teil des Byzantinischen Reiches. Seit dem 6. Jahrhundert wurde das Land von slawischen Stämmen und Awaren besiedelt. Die hier siedelnden Slawen wurden im 7. Jahrhundert christianisiert.

Nachdem es zunächst ein unabhängiges Königreich gewesen war, kam Kroatien im Jahr 1102 in Personalunion durch ein Abkommen (Pacta conventa) zu Ungarn mit eigener Verwaltung unter einem kroatischen Ban (Befehlshaber).

Kroatien in der österreichisch-ungarischen Monarchie
Mitte des 15. Jahrhunderts erlitten Ungarn und Kroatien schwere Gebietsverluste durch die Expansion des Osmanischen Reiches. Um militärisch Beistand zu erhalten und weitere Gebietsverluste an die Osmanen zu verhindern, rief der kroatische Sabor die Habsburger auf, die Regentschaft über Kroatien zu übernehmen. Nach zahlreichen Schlachten gelangte im 18. Jahrhundert ein Großteil Kroatiens unter Verwaltung der Habsburger. Die historischen kroatischen Regionen Dalmatien und Teile Istriens standen seit dem Spätmittelalter unter der Herrschaft der Republik Venedig. Die Republik Dubrovnik konnte als einziges der Gebiete des heutigen Kroatien vom 14. Jahrhundert bis zum Jahr 1808 ihre staatliche Unabhängigkeit bewahren.

Zeit Napoleons und Entwicklung eines nationalen Bewusstseins
Nach den napoleonischen Kriegen kamen 1815 ganz Dalmatien und Istrien unter österreichische Herrschaft, wurden jedoch aus politischen Gründen ("divida et impera") nicht verwaltungsmäßig mit dem übrigen Kroatien vereinigt, sondern zu separaten Kronländern innerhalb der österreichischen Reichshälfte, während Kroatien-Slawonien zur ungarischen Reichshälfte gehörte.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs unter der kroatischen Bevölkerung das Verlangen nach mehr Selbstbestimmungsrechten. In den Revolutionsjahren um 1848 verkörperte insbesondere Ban Josip Jelačić die Symbolfigur kroatischer Interessen, welche nach Eigenverwaltung strebten. Den nationalen Bestrebungen wurde jedoch durch den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich und den Ungarisch-Kroatischen Ausgleich 1867 ein Ende gesetzt. Das 19. Jahrhundert war auch geprägt vom sogenannten Illyrismus, einer Bewegung, die zahlreiche kulturelle Veränderungen durchsetzte. Es kam zu einer Standardisierung der kroatischen Sprache und gleichzeitig wurde die Idee geboren, alle Südslawen in einem Staat zu vereinen.

Entstehung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen
Kroatien begann sich nach Ende des Ersten Weltkriegs (1918) aus der österreichisch-ungarischen Monarchie zu lösen. Italienische Truppen begannen daraufhin mit der Besetzung von kroatischen Gebieten längs der Ostküste der Adria, da Italien im Londoner Vertrag von 1915 deren Annexion zugesagt worden war. Angesichts dessen beschloss der Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben Ende November 1918 die sofortige Vereinigung Kroatiens mit dem Königreich Serbien woraus dann das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen entstand. Viele Kroaten lehnten aber die monarchistische Staatsform ab, fühlten sich benachteiligt und verlangten für Kroatien die Gründung einer Republik. Dazu kam, dass die Verfassung eine zentralistische Staatsorganisation und die Auflösung der historischen Provinzen vorsah, was den Serben als zahlenmäßig größtem Volk de facto die Vorherrschaft sicherte.

1929 löste König Aleksandar I. das Parlament auf und benannte den Staat in Königreich Jugoslawien um. Er regierte diktatorisch vorwiegend mit Hilfe serbischer Offiziere. Als Reaktion hierauf gründete Ante Pavelić die von Mussolini unterstützte faschistische Ustaša-Bewegung.

Kroatien während des Zweiten Weltkriegs

Nikola Šubić ZrinskiNach dem Überfall Deutschlands auf das Königreich Jugoslawien am 6. April 1941 marschierte am 10. April 1941 die Deutsche Wehrmacht in Zagreb ein. Mit deutscher Unterstützung rief die Ustaša den Unabhängigen Staat Kroatien (Nezavisna država Hrvatska/NDH) aus und errichtete eine faschistische Diktatur unter Ante Pavelić, die Serben, Juden, Roma und kroatische Antifaschisten systematisch verfolgte und ermordete. Demokratische Wahlen, die das Ustaša-Regime vor dem kroatischen Volk legitimiert hätten, wurden nicht abgehalten. Vom Sommer 1941 an begann ein bewaffneter Aufstand der kroatischen Kommunisten gegen das Ustaša-Regime, die als Teil der jugoslawischen Partisanenbewegung im Laufe der Jahre 1942/1943 einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle bringen konnten.

Kroatien als Teil Jugoslawiens
Nach Kriegsende wurde Kroatien eine von sechs Teilrepubliken (Sozialistische Republik Kroatien) der neu gegründeten Föderativen Volksrepublik Jugoslawien, ab 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ), unter der kommunistischen Regierung von Tito.

1971 wird die Protest- und Reformbewegung Kroatischer Frühling niedergeschlagen. Massenverhaftungen folgten.

Nach Titos Tod 1980, welcher bis dahin den Staat durch sein hartes Durchgreifen unter Kontrolle hielt, nahmen die Spannungen in Jugoslawien immer mehr zu. Die einzelnen ethnischen Gruppen wollten eigene Staaten haben. So sind die meisten Serben serbisch-orthodox, Kroaten römisch-katholisch und viele Bosnier moslemisch, was einer einheitlichen Nation widersprach.

Als Mitte der 1980er Jahre Glasnost in der Sowjetunion das Ende der sozialistischen Ära in Europa einläutete, forderten verstärkt vor allem Slowenien und Kroatien einen Umbau Jugoslawiens zu einer Konföderation und eine Umorientierung hin zur parlamentarischen Demokratie und Marktwirtschaft. Die von Slobodan Milošević regierte Republik Serbien setzte sich hingegen für einen zentralisierten jugoslawischen Gesamtstaat unter kommunistischer Herrschaft ein.

Unabhängigkeit Kroatiens
Nach den ersten freien Wahlen seit mehr als einem halben Jahrhundert im Mai 1990 und dem danach abgehaltenen Referendum (Wahlbeteiligung 93,5 %, für die Souveränität stimmten 93,2 %) erklärte Kroatien im Juni 1991 unter Franjo Tuđman seine Unabhängigkeit (internationale Anerkennung am 15. Januar 1992). Der Wechsel von der Einparteiendiktatur hin zur parlamentarischen Demokratie verlief weitgehend problemlos.

Die de facto von Serbien dominierte Jugoslawische Volksarmee versuchte die Unabhängigkeitsbestrebungen militärisch niederzuwerfen. Der militärische Versuch, kroatische Gebiete mit großem als auch geringem Anteil an serbischer Bevölkerung von Kroatien abzuspalten und mittelfristig an Serbien anzugliedern, mündete in dem fast 4 Jahre andauerndem Kroatischen Unabhängigkeitskrieg, der erst nach militärischen Erfolgen der Kroaten 1995 (Militäroperation Oluja) mit dem Vertrag von Dayton und der kroatischen Unabhängigkeit am 14. Dezember 1995 endete.

Kroatien nach der Unabhängigkeit
Kroatien hat sich nach seiner Unabhängigkeit ähnlich wie Slowenien immer mehr versucht, sich dem "Westen" zuzuwenden. Das Land versucht der Korruption den Rücken zu kehren, angeklagte Kriegsverbrecher auszuliefern und sich zu modernisieren. Es hofft möglichst schnell in die EU einzutreten und daraus wirtschaftlich zu profitieren. Dieser Mitgliedschaft in der Europäischen Union kam Kroatien durch ein im Mai 2001 unterzeichnetes Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU näher. Es sichert Kroatien den freien Zugang zum Europäischen Binnenmarkt, verlangt dem Land aber auch umfangreiche Wirtschafts- und Sozialreformen ab. Heute steht Kroatien in Beitrittsverhandlungen mit der EU.

Tourismus
Kroatien ist ein attraktives Urlaubsziel. Hauptattraktionen sind die Küste, die Nationalparks und die Städte, besonders beliebt sind Split, Dubrovnik, Rijeka und Zagreb. Jedes Jahr besuchen über zehn Millionen Touristen Kroatien.Daraus resultiert auch, dass der Tourismus in Kroatien zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehört. Der Anteil am BIP beträgt ca. 20 Prozent.

Kultur und Gesellschaft
In kultureller und architektonischer Hinsicht wurde der Norden und Nordosten Kroatiens durch seine lange gemeinsame Geschichte mit Ungarn bzw. Österreich im Baustil des Barock geprägt. Der Süden des Landes, das Küstenland von Istrien, der Kvarner-Bucht, des Hrvatsko primorje und Dalmatiens hingegen wurden architektonisch vorwiegend im Stil der Renaissance durch die frühere Seemacht Venedig (1409 bis etwa 1815) beeinflusst. Viele Hafenstädte haben daher noch immer ein ausgesprochen venezianisches bzw. italienisches Flair. Die landschaftliche, soziale und kulturelle Vielfältigkeit spiegelt sich insbesondere auch in den Volkstrachten Kroatiens wider. Einen wesentlichen Beitrag zur kroatischen Musiklandschaft leisten die charakteristischen Tamburica-Ensembles mit typisch-kroatischen Musikinstrumenten.

 

VON: "http://de.wikipedia.org/wiki/Kroatien"

 

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